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Rollen wie die Jumbos

21. August 2018

• Im neuen Haftmaterial-Werk setzt HERMA künftig auf ein fahrerloses Schwerlast-Transportsystem, das unter anderem der Luftfahrtindustrie entlehnt ist.
• Die beladenen Wagen haben die Dimensionen eines „Sprinters“ und wiegen bis zu fünf Tonnen – bei einer Zielgenauigkeit von zwei Millimetern.
• Hochautomatisierte Fertigung- und Logistikprozesse sind essenziell für Fertigung in Deutschland.

Im neuen HERMA Beschichtungswerk für Haftmaterial finden diese Wagen automatisch ihr Ziel – bis auf zwei Millimeter genau.

Wenn HERMA im Herbst 2019 sein neues Beschichtungswerk für Haftmaterial in Filderstadt in Betrieb nimmt, wird es im internen Materialfluss eine branchenweite Premiere geben: Spezielle, für Schwerlast ausgelegte fahrerlose Wagen übernehmen den automatischen Transport von Rohmaterialien wie Papier und Folien, von Halbfabrikaten und fertig beschichteten Haftmaterialrollen. „Fahrerlose Transportfahrzeuge, kurz FTF, sind zwar grundsätzlich auch schon woanders im Einsatz“, erklärt Frank Baude, Leiter Logistik bei HERMA. „Aber für die bei uns benötigten Dimensionen gibt es – in unserer Branche – wahrscheinlich kein Vorbild. Denn wir sprechen über Transportwagen, die Rollen von einer Breite bis 2 Meter und  einem Gewicht bis 4,5 Tonnen bewegen.“ Ein Transportwagen samt geladener Rolle erreicht damit Dimensionen, die denen eines „Sprinters“ entsprechen, wie man sie von Logistikdienstleistern kennt. „Wir mussten länger recherchieren, um Anbieter zu finden, die bereit waren, so etwas für solche Gewichtsklassen zu konstruieren“, so Baude. Deshalb kommt jetzt bei HERMA eine Technologie zum Einsatz, die auch genutzt wird, um Züge, Rotorblätter von Windkraftanlagen oder um Flugzeugrümpfe durch Montagehallen zu bewegen. „Der Begriff Jumbo-Rolle, den wir für unsere größten Rollen verwenden, bekommt damit eine ganz neue Bedeutung“, sagt der Logistik-Chef schmunzelnd. Insgesamt zehn solcher großen fahrerlosen Transportfahrzeuge (FTF) werden sich durch das neue Beschichtungswerk bewegen. Dazu kommen noch vier kleinere Fahrzeuge, die mit ihrer niedrigeren, ergonomisch günstigen Arbeitshöhe dort zum Einsatz kommen, wo manuelle Arbeiten an den Rollen vorgenommen werden müssen, zum Beispiel beim Entpacken.

Alles ohne Induktionsschleifen oder Magnete
Die Gänge im neuen Beschichtungswerk sind so ausgelegt, dass jeweils zwei große FTF aneinander vorbei fahren können. „Auf diese Weise schaffen wir auch ein redundantes Transportsystem: Sollte einmal ein FTF liegenbleiben, können dennoch alle Produktionsanlage angefahren werden.“ Die Wagen sind jeweils mit vier Rädern ausgerüstet, die um 360 Grad schwenkbar sind; zwei davon werden von einem starken Elektromotor angetrieben. Gesteuert werden die FTF über mehrere eingebaute Scanner, die sich an unveränderlichen Stellen, sogenannten Landmarken, im Werk orientieren. Deshalb sind keine Induktionsschleifen oder Magnete im Boden notwendig. Manche definierten Positionen an den Beschichtungsmaschinen müssen die Transportwagen mit einer Genauigkeit von +/- 2 Millimetern anfahren. „Das geschieht über Barcodes im Boden, aus denen das Fahrzeug seine korrekte Ausrichtung quasi ablesen kann“, erklärt Baude.

Alle Rollen-Bewegungen zwischen dem 35 Meter hohen neuen Hochregallager mit seinen insgesamt 13 Ebenen, den beiden Beschichtungsanlagen und den Schneidemaschinen werden ausschließlich über FTF abgewickelt. Und die Materialbewegungen geschehen bei HERMA erstmals komplett palettenlos bzw. ladungsträgerfrei. Das heißt, die Rollen liegen direkt auf der Ladefläche der Transportwagen, die einem sehr flachen „V“ entsprechen. „Wir hatten in der Vergangenheit immer wieder das Thema, dass sich Holzsplitter von Paletten gelöst haben. Sie verursachten nicht nur unnötigen Schmutz, sondern sie irritierten auch die Sensoren unserer Transportsysteme“, sagt Baude.

Da HERMA ausschließlich in Deutschland fertigt, sind hochautomatisierte Fertigungs- und Logistikprozesse essenziell, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für das neue Beschichtungswerk in Filderstadt investiert das Unternehmen bis zum Herbst 2019 rund 80 Millionen Euro. Dazu kommen weitere 20 Millionen Euro für die neue Fertigung von Etikettiermaschinen, die Anfang 2019 ihren Betrieb aufnehmen wird. Momentan fertigt HERMA seine Maschinen noch in Deizisau.

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